Orgelvesper mit Mona Hartmann "Freuden - Trauer - Kämpfe"
Samstag, 07.03.2026 18:00
Uhr
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Orgelvesper mit Prof. Mona Hartmann (Witten)
"Freuden - Trauer - Kämpfe"
Jehan Alain (1911-1940)
Trois danses (Drei Tänze, 1937-1940)
1. Joies (Freuden)
2. Deuils (Trauer)
3. Luttes (Kämpfe)
Louis Vierne (1870-1937)
Organ Symphony No.6, Op.59
Auszüge:
III. Scherzo
IV. Adagio
V. Final
Jehan Alain fiel 1940 im Alter von 29 Jahren als Soldat im Kampf gegen die Invasion der deutschen Wehrmacht in Frankreich. Die "Drei Tänze", fertig gestellt im Jahre seines frühen Todes, sind seine letzte vollendete Komposition. Sie bilden keine Tanzsuite im traditionellen Sinn, sondern eine expressive Folge von Zuständen: überschäumende Bewegung im ersten, klagende Erstarrung zweiten und schließlich ein hartnäckiger, rhythmisch zugespitzter Kampf im letzten Satz. Vor diesem biografischen Hintergrund erscheinen besonders Deuils und Luttes wie ein musikalisches Vermächtnis, dessen Energie zwischen Trauer und Widerstand oszilliert.
Louis Viernes Orgelsinfonie Nr. 6 (1930) entstand am Ende eines von persönlichen Verlusten geprägten Lebens: der Verlust seines Sohnes René an der Front des Ersten Weltkriegs, die unaufhaltsam vortschreitende Erblindung und wirtschaftliche Not begleiteten den Organisten der Kathedrale Notre-Dame. Die sechste Sinfonie bündelt diese Erfahrungen in einer verdichteten, oft herben Tonsprache. Gleichzeitig atmet die Sinfonie einen geradezu ungestümen Lebensgeist. In ihren schillernden Harmonien und mitreißenden Rhythmen spiegelt sich der Verve der sogenannten "Goldenen 20er Jahre" wieder, alsob ihr Komponist die persönlichen Leiden seines Lebens mit dem Ungestüm der Musik zu übertönen versuchte.
Beide Kompositionen des Abends lassen sich als höchst subjektiv gefärbte Zeugnisse ihrer Schöpfer und Ihrer Zeit hören: Viernes sechste Sinfonie als Bilanz eines von Freuden und Leiden zerissenen Lebens, Alains Trois Danses als von Widerstandskraft geprägte Äußerung eines aufstrebenden jungen Komponisten, dessen Leben im Krieg jäh endete.