„Verleih‘ uns Frieden“ Gedenk- und Friedenskonzert zum Volkstrauertag
Freitag, 13.11.2026 19:00
Uhr
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
20 Euro Eintritt (15 Euro ermäßigt)

„Verleih‘ uns Frieden“
Gedenk- und Friedenskonzert
in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin
Projektidee und -leitung:
Philipp Mathmann (Countertenor) und Sebastian Heindl (Orgel/Chorleitung)
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Berlin
Freitag den 13.11.2026 um 19:00 Uhr
im Rahmen der Friedensdekade
und anlässlich des Volkstrauertages (Sonntag 15.11.)
Gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung

Besetzung
Philipp Mathmann – Countertenor/Sopranist
Florian Goldberg – Texte und Reflexionen
Concerto Brandenburg
Kerstin Linder-Dewan – Konzertmeisterin & Leitung
Kammerchor Memoria
Sebastian Heindl – Dirigat, Orgel & Chorleitung
Projektidee und Anlass
Der 15.11.2026 ist Volkstrauertag und mahnt, dass die Schrecken des Krieges niemals vergessen werden dürfen. Gerade in der aktuellen Zeit wachsender globaler Spannungen und erneuter Versuche einzelner das Recht des Stärkeren erneut über die Freiheit und das Völkerrecht aller Menschen zu stellen, ist diese Mahnung zum Frieden ein besonderer Auftrag an uns alle.
Unter dem Titel „Verleih uns Frieden“ begegnen sich der Countertenor und Sopranist Philipp Mathmann, der Kammerchor Memoria der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Concerto Brandenburg sowie der Organist und Kantor Sebastian Heindl zu einem musikalischen Innehalten und Gedenken. Begleitet wird der Abend von philosophischen Reflexionen des Berliner Philosophen Florian Goldberg, der als Autor und Berater existenzielle Fragen unserer von Kriegen, Krisen und gesellschaftlichen Spannungen geprägten Gegenwart aufgreift und scheinbar unlösbare Konflikte in einem größeren geistigen und ethischen Horizont beleuchtet. Mit großer menschlicher Zugewandtheit eröffnet er Perspektiven, die zu innerem Frieden, Verantwortungsübernahme und dialogischer Verständigung ermutigen.
Im thematischen Mittelpunkt des Konzertes stehen die emotionalen Lebensrealitäten unter den Bedingungen von Krieg und Gewalt: von Geburt bis Tod, von Verzweiflung bis Hoffnung. Die Musik durchläuft diese Zustände in zeitlosen Werken der Musikgeschichte und mahnt zu Frieden und Versöhnung – gerade an diesem Tag und an einem Ort, der selbst Zeugnis von Zerstörung und Wiederaufbau ist. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche steht als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung im Herzen Berlins. Ihre Turmruine erinnert an die Verheerungen des Zweiten Weltkriegs, während der moderne Neubau Symbol für Hoffnung und Versöhnung ist. Gerade dieser Ort, der mit dem Terroranschlag am Breitscheidplatz zudem zu einem Mahnmal gegenwärtiger Gewalt geworden ist, soll Raum geben, der Opfer von Gewalt und Hass in der Welt zu gedenken. Historische Aufführungspraxis und Barockmusik verbinden sich in diesem Konzert durch kurze Texte von Florian Goldberg mit gegenwärtiger gesellschaftlicher Verantwortung.
Künstlerisches Konzept und Programmstruktur
Das Konzert führt durch Werke von Purcell, Bach und Händel und anderen Meistern der Barockmusik bis hin zu Mozart. Es zeichnet den Weg von der Geburt in eine Welt voller Zumutungen für unsere Kinder über Leben und Leid bis hin zum Tod - und darüber hinaus.
Den Auftakt bildet das „Et incarnatus est“ aus Bachs h-Moll-Messe – ein meditatives Innehalten über das schmerzhafte Menschwerden eines Neugeborenen in einer Welt voller Schmerz. In dem Auszug der Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ (BWV 21) verdichtet sich der Ausdruck über die Zumutungen des Lebens, wobei die Arie „Seufzer, Tränen, Kummer, Not“ das individuelle Erleben von Verlust und Schmerz mit ergreifender Innerlichkeit zur Sprache bringt. Maßvoll gibt Florian Goldberg Impulse zur Reflexion über unsere Empfindungen, über unsere gegenwärtige Realität von Erinnerungskultur, Gedenken, unsere empfundene Hilflosigkeit, aber vor allem auch unsere Verantwortung als Menschheit für unsere eigene Geschichte.
Choräle wie „Verleih uns Frieden“ von Heinrich Schütz oder Purcells „Remember not, Lord, our offences“ spiegeln den menschlichen Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Verantwortungsübertragung an eine höhere Kraft und dem Bewusstsein für die eigene Verantwortung. Neben Texten und gedanklichen Impulsen durch den Philosophen Florian Goldberg weitet sich der Raum immer wieder durch instrumentale Werke und gibt den Zuhörenden klanglichen Raum zum Atmen und Nachdenken. Der Weg des Lebens führt zu Verlust, Tod und Trauer und findet seinen Höhepunkt in Mozarts „Laudate Dominum“ aus den „Vesperae solennes de confessore“, der „Vesper eines Bekenners“. In diesem Gebet und Geständnis von Suche nach Halt und Hoffnung spiegelt sich ein Bedürfnis der Menschen weltweit in Zeiten tiefgreifender Unsicherheit. Händels „Tu del Ciel ministro eletto“ lässt daran anschließend eine leise Hoffnung auf Versöhnung sowie auf inneren wie äußeren Frieden aufscheinen.
In einer Zeit, in der Innehalten und Zuhören nicht mehr selbstverständlich sind, kann zeitlose Musik uns wieder mit unserem inneren Frieden verbinden. Am Volkstrauertag möchte die Konzertinitiative ein Zeichen gegen Krieg, Gewalt und Entmenschlichung setzen: an einem Ort, der bis heute von Krieg und Zerstörung gezeichnet ist, lädt sie die Menschen ein, zusammenzukommen, zu gedenken und nicht zu vergessen.