"Gegen die Willkür des Staates - Die Denkschrift der Bekennenden Kirche aus dem Mai 1936 I Gedächtnis-Gottesdienst
Sonntag, 28.06.2026 18:00
Uhr
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Die Reihe der "Gedächtnis-Gottesdienste" an jedem 4. Sonntag im Monat stellt Themen der Erinnerungskultur in den Mittelpunkt eines Gottesdienstes.
Seit 1935 versuchte das nationalsozialistische Regime, die Kirchen aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Gegen diese Entwicklung protestierte die evangelische Kirche mehrfach. Ein Dokument ragt aus allen Protesten heraus: Die „Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung an Hitler“ von Ende Mai 1936.
Es gibt keinen anderen Protest aus der Leitungsebene der evangelischen Kirche, in dem so deutlich gegen Antisemitismus, die Existenz von Konzentrationslagern und die Willkür der Gestapo Stellung bezogen wurde.
Hitler war nicht bereit, sich von der Bekennenden Kirche belehren oder zu einer Kurskorrektur bewegen zu lassen. Deshalb plante sie, die ursprünglich streng vertraulich nur an Hitler gerichtete Denkschrift den Kirchengemeinden in einer Kanzelabkündigung bekannt zu machen.
In diese Situation platzte die Veröffentlichung der Denkschrift in der „New York Herald Tribune“ und in mehreren europäischen Zeitungen. Die Veröffentlichung in der ausländischen Presse hatte verheerende Folgen: Die Gestapo führte mehrere Verhaftungen durch und verschleppte die Betroffenen in das Konzentrationslager Sachsenhausen, unter anderem den Büroleiter Friedrich Weißler.
Als Experten im Gottesdienst und zum anschließenden Nachgespräch begrüßen wir Prof. Dr. Manfred Gailus. Er hat intensiv zur Geschichte der Bekennenden Kirche geforscht und eine Biografie über Friedrich Weißler verfasst.
Prof. Dr. Manfred Gailus
Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur
Jonas Sandmeier, Orgel