Das Foto zeigt den Kircheneingang. Im Halbdunkel sieht man die bunten Fenstergläser aus der Kirche leuchten. Max Cramer
Das Foto zeigt den Kirchenfußboden mit den runden, bunten Keramiken. Gerald Zabel

Der Kirchenraum

Der Haupteingang der Kirche befindet sich an der östlichen Wand, gegenüber der Turmruine. Der Eingangsbereich ist überdacht von einem aufwärts strebenden Vordach aus Stahl, das in Blickrichtung der Turmruine herausragt und Schutz vor Sonne oder Regen bietet. 

Durch seine markante Plastizität hebt das Vordach nicht nur den Haupteingang visuell hervor, sondern umreißt auch eine Art äußeren Vorraum zur Kirche, der sich in flüchtigen Momenten des Anhaltens konstituiert.

Beim Betreten des Kirchenoktogons gelangt man zunächst ins Entree, einen 33,2 m² großen Vorraum zum eigentlichen Kirchenraum. Seine gegenwärtige Gestalt nahm das Entree im Rahmen einer Neugestaltung anlässlich des 60. Kirchweihjubiläums im Dezember 2021 an. Zu sehen sind zwei von Egon Eiermann gestaltete, kobaltblaue, 1,40 m große Vasen aus Majolika.

Gerald Zabel
Das Foto zeigt den Kirchenraum mit dem typischen blauen Licht. Max Cramer

Auf allen Seiten hüllen die tiefblauen Glaswände die Besucherinnen und Besucher ein und prägen deutlich die Raumerfahrung. Die Einrichtung des Kirchenraums war Gegenstand einer Gesamtkonzeption des Architekten Egon Eiermann.

Unter den Füßen der Besucherinnen und Besucher setzt sich der Außenraum im Innenraum visuell fort. Die Bodengestaltung im Kirchenraum bildet eine Variation des Grundmusters aus kreisrunden Platten, das auch auf der gesamten Podiumsfläche sowie auf dem Boden der Kapelle die jeweils eigene Gestalt annimmt und dadurch das Innen und das Außen des Gebäudeensembles miteinander verbindet. Das Bodenmosaik der Kirche besteht aus kreisrunden, größtenteils glasierten Keramikplatten verschiedener Größen und Farben (Blautöne, Türkis, Weiß, Terrakotta, Grau) sowie aus kreisrunden Betonplatten. 

Das Foto zeigt die runden, bunten Bodenkeramiken und die Stühle, die von Egon EIermann entworfen wurden. Annette Bresinsky

Während die Keramikplatten durch ihre Farbigkeit und Vielfältigkeit eine optisch bewegte Wirkung entfalten, sorgen die Betonplatten für eine erdende Verankerung des fließend wirkenden Bodenmosaiks.
Die restlichen Einrichtungselemente Eiermanns sind gekennzeichnet durch deutliche formale Zurückhaltung. Auf Vorschlag Eiermanns wurde der Kirchenraum nicht mit Bänken, sondern mit einzelnen Stühlen ausgestattet. Für die Gedächtniskirche entwarf Eiermann den Gurtenstuhl SE 121, der ab 1962 in Serie produziert wurde. Der Stuhl besteht aus einem Holzrahmen, der im Bereich des Sitzes und der Rückenlehne mit schwarzen Gurten bespannt und mit schwarzen Lederpolstern ausgestattet ist. Rechteckige und quadratische Fragmente der Gurte sind am Holzrahmen aus allen Blickrichtungen sichtbar. Der Rhythmus aus den Gurtenfragmenten und dem Holz bildet ein prägendes formales Muster.

In Blickrichtung des Ein- bzw. Ausgangs treten zwei Elemente in Erscheinung: 

In der Hauptaxis erhebt sich die von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke erbaute und von Eiermann mitgestaltete Orgel mit der Orgelempore. 

Links von der Orgel unterhalb der blauen Fenster hängen zwei Gedenkobjekte: eine großformatige Gedenktafel für evangelische Opfer der NS-Zeit aus dem Jahr 1964, die an einem mittelalterlichen Kruzifixus zu erkennen ist und die Madonna von Stalingrad, eine Zeichnung des deutschen Pfarrers, Theologen und Arztes Kurt Reuber, die zu Weihnachten 1942 während seines Kriegseinsatzes für die Wehrmacht im eingekesselten Stalingrad entstanden ist. 

Das Foto zeigt die Schuke-Orgel, die ebenfalls von dem Architekten mitgestaltet wurde und sich durch spanische Trompeten auszeichnet. Michael Kammann