Das Foto zeigt den Altar mit der goldfarbenen Christusfigur. Sebastian Rost

Der Altarbereich

Von Eiermann stammen der Altar, die Taufschale und die Kanzel.

Der Altar aus Holz und Stahl ist ausgestattet mit 12 ebenso von Eiermann gestalteten Kerzenleuchtern, die an die 12 Stämme Israels, an die 12 Jünger Jesu und auch an die 12 Tore des himmlischen Jerusalems erinnern. Das Altarkreuz vom Goldschmiedemeister Peter Tauchnitz besteht aus vergoldetem Silber und ist mit 37 Bergkristallen besetzt. Links neben dem Altar steht die Taufschale aus Aluminium, die auf den Seilen einer kreuzförmigen Stahlkonstruktion ruht. In der Taufschale liegen Marmorkiesel sowie eine kleinere Schale aus Majolika, die das Taufwasser aufnimmt. Rechts vom Altar steht die achteckige Kanzel aus Stahl.

Ursprünglich sollte Eiermann auch noch den prominentesten Blickpunkt des Kirchenraums bestimmen, den über dem Altar. Bei der Einweihung der Kirche und in den Monaten danach hing über dem Altar ein von Eiermann provisorisch fertiggestelltes, filigranes Kreuz aus schwarzem Stahlrohr, das keine figürliche Darstellung enthielt. Das Kreuz sollte unter Eiermanns künstlerischer Leitung z.T. unter Einsatz von figürlichen Elementen weiterentwickelt werden, dabei jedoch in seiner Grundstruktur weiterhin ein Kreuz bleiben.

Das historische Foto zeigt den Altarbereich der Kirche mit einem schlichten Kreuz, das Egon Eiermann gestaltet hat. saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau
Detailansicht des Kirchenraums mit Blick auf den Altarbereich und das
von Eiermann gestaltete Kreuz über dem Altar, 1961

Eine Mehrheit der kirchlichen Entscheidungsträger, einschließlich des damaligen Bischofs Otto Dibelius, bevorzugte ein Kruzifix. Eiermann sprach sich dagegen aus und führte nicht nur ästhetische, sondern auch theologische und kulturhistorische Gegenargumente an. Eine wichtige Rolle spielte sein Verständnis des protestantischen Kirchenraums als eines Ortes, an dem das Wort und nicht das Bild im Zentrum steht und erst recht nicht ein Bild, das nach dem Grauen des Krieges das körperliche Leid in Szene setzt. Bald wurde gegen den Willen Eiermanns der Münchener Bildhauer Karl Hemmeter (1904-1986) mit einer neuen, dezidiert figürlichen Lösung für die Plastik über dem Altar beauftragt. Geprägt durch einen angespannten Austauschprozess mit Eiermann zu Fragen der Gestaltung und der Darstellung schuf Hemmeter eine Christus-Statue, die vom Bischof Dibelius gestiftet wurde und im Oktober 1962 das Eiermann-Kreuz ersetzte.

Der von Hemmeter gestaltete Christus ist 4.60 m groß und wiegt ca. 300 kg. Die Statue ist eine Treibarbeit aus Tombak, einer Messingart mit erhöhtem Kupfergehalt. Der Christus trägt ein langes Gewand, das auch die ausgebreiteten Arme bedeckt. Die Hände und Füße weisen Wundmale auf. Die Figur ist in abstrahierender Sprache ausgeführt und greift dadurch die geometrische Zurückhaltung der Raumgestaltung auf. Die Körperstellung erinnert an eine Kreuzform. Der Christus hängt jedoch nicht am Kreuz, wie es ursprünglich geplant war. Durch den Einsatz Eiermanns entfiel das Kreuz hinter dem Christus. Das scheinbare Schweben der Figur ist ein Verweis auf die Auferstehung Christi. Tatsächlich ist die Statue an zwei dünnen Seilen aus Stahl, die von der Decke hängen, befestigt. Mit seinen Händen macht der auferstehende Christus zugleich eine segnende Geste. Durch den heruntergezogenen Mundwinkel und die geschlossenen Augen entfaltet das Gesicht Christi für viele Besucher:innen eine berührende Wirkung.

Das Foto zeigt die goldfarbene Christusfigur, die über dem Altar zu schweben scheint. Patrick Voigt
Detailansicht des Kirchenraums mit Blick auf den Altar und den Christus.