Das Foto zeigt einen Ausschnitt der blau-bunten Fensterwand der Kirche. Max Cramer

Das blaue Glas

Mit Eintritt in die Kirche bestimmt das Leuchten der tiefblauen Glasfenster den Kirchenraum. 

Besucherinnen und Besucher tauchen in eine blau leuchtende Bildlandschaft, zusammengesetzt aus tausenden von blauen Glasbruchstücken, aus denen Ansammlungen von rot-, grün- und gelbfarbenen Glasstücken hervortreten. Die Stille im Innenraum und das kraftvolle Licht lassen die umtriebige Außenwelt auf einmal weit entfernt erscheinen. 

Das Foto zeigt eine der blau-bunten Glaswände im Inneren der Kirche. Max Cramer

Die Wand des Kirchenraums besteht aus einem rasterförmigen Stahlskelett mit eingesetzten rechteckigen Betonwabenfeldern. Jedes dieser Betonwabenfelder enthält 56 Fenster, insgesamt sind es 11.182. Die jeweils 24,6 x 26,4 cm großen und 2 cm dicken Fenster sind in der Technik "Dalle de verre" ausgeführt. Dabei werden Platten aus farbigem Dickglas in kleinere Stücke zurechtgeschlagen, die dann mit Beton verfugt und zu einzelnen Fenstern zusammengesetzt werden. Die Betonglasfenster wurden vom französischen Glaskünstler Gabriel Loire (1904-1996) gestaltet. Die aufwändige Fertigung erfolgte 1960 und 1961 in Loires Werkstatt in Chartres. Schließlich wurden die Fenster in die Betonwaben der Gedächtnis-Kirche eingesetzt.

Das historische Foto zeigt wie die Bentonglasfenter in Chartres hergestellt wurden Ateliers Chartres
Die sogenannten Betondickgläser der Kirche wurden von Gabriel Loire in Chartres gestaltet und hergestellt.

Jedes einzelne Fenster im Kirchenraum besteht aus unregelmäßig geformten, scherbenartig anmutenden, mit Beton verfugten Glasstücken. Die Fenster sind abstrakt gestaltet und enthalten keine Darstellungen. Blau ist die Grundfarbe, ergänzt durch verschiedene Rot-, Gelb- und Grüntöne. Die im Glas wahrnehmbaren Verdichtungen sorgen für eine Vervielfältigung von Lichtbrechungen und dadurch ein intensiveres Spiel von Licht und Farben. Die Vielzahl an Kombinationen von Formen, Farben und Tönen scheint unerschöpflich.

Chartres war nicht nur der Produktionsort der Fenster, sondern auch eine Inspirationsquelle. Während des Entwurfsprozesses verbrachte Gabriel Loire viele Stunden in der Kathedrale von Chartres, um die Farb- und Lichtwirkung der dortigen mittelalterlichen Glasmalerei, die für ihr "mystisches" Blau berühmt ist, zu studieren. In der mittelalterlichen Bildkunst war Tiefblau die Farbe des Göttlichen, des Himmels. In der Gedächtniskirche kommen weitere Deutungs- und Bedeutungsschichten hinzu. Für Loire was Blau die Farbe des Friedens. Himmel und Frieden: ein blauer, himmlisch anmutender Kirchenraum, der durch die prominente Mitwirkung eines französischen Gestalters auch im Zeichen von Frieden, (deutsch-französischer) Versöhnung und internationaler Zusammenarbeit steht.

Das Foto zeigt ein einzelnes Fensterglas, das sich aus vielen bunten Glasscherben zusammensetzt. Max Cramer
Das Foto zeigt ein einzelnes Fensterglas, das sich aus vielen bunten Glasscherben zusammensetzt. Max Cramer