Das Foto zeigt den Blick in die innere Turmruine. Gerald Zabel

Die alte Turmruine | 1895 / 1943

Die Gedenkhalle in der Turmruine: Von glorifizierender nationaler Selbstdarstellung hin zum integrativen Erinnern.

Von der Alten Kirche erhalten und heute für Besucherinnen und Besucher zugänglich ist lediglich die Turmruine mit der Gedenkhalle. Die Gedenkhalle zieht mit ihren wunderschönen erhaltenen Mosaiken heute zahlreiche Besucher:innen an.

Schon der Name der Kirche verweist auf die ursprüngliche Intention der Alten Kirche, von der heute noch die Ruine zeugt. Dem „Andenken des Hochseligen Kaiser Wilhelm I.“ ist die Kirche geweiht. Die Grundsteinlegung fand am Geburtstag des verstorbenen Kaisers statt und die Einweihung am 25. Jahrestag der Sedansschlacht. Eine Erinnerung an den Höhepunkt des militärisch-politischen Geschehens und Wirkens von Wilhelm I., der ansonsten eher als Selbst-Inszenierer und weniger als Inbegriff eines Herrschers, der das Wohl der anderen im Blick hatte, in die Geschichtsbücher einging.

Die ursprüngliche Eingangshalle in die kaiserzeitliche Kirche war seinerzeit bereits als „Gedächtnißhalle“ konzipiert. Heute noch sind die kostbaren Mosaiken und Marmorreliefs enthalten, wenn auch mit sichtbaren Rissen, die auch als Brüchigkeit dieser monumentalen Sicht gedeutet werden können.

Hier zeigt das Foto die Gedenkhalle der alten Turmruine mit den Mosaiken.
Detailansicht der Gedenkhalle mit Blick auf den südlichen Bereich mit der Christus-Statue aus der alten Kirche und zwei Kreuzen: links das Ikonenkreuz aus Volgograd (ehem. Stalingrad), rechts das Nagelkreuz von Coventry
Auf diesem Foto wird ein Detail von dem Wandmosaiken gezeigt. Man sieht zwei Engel, die eine Tafel mit der Aufschrift "Wilhem I." zeigen. Katharina Dorn / publicon Berlin
Detailansicht des Mosaiks an der Westwand der Gedenkhalle direkt über dem Eingang:
zwei Engel tragen eine Gedenktafel für Kaiser Wilhelm I.

Das Bildprogramm in der Halle zeigt vornehmlich entsprechend der Intention als „Gedächtnißhalle“ Szenen aus dem Leben Wilhelms I. oder der Hohenzollernfamilie, verwoben mit biblischen und christentumsgeschichtlichen Szenen. So traten die Besucherinnen und Besucher einst unter einer Darstellung der Pieta in das Kirchenschiff ein (heute: die östliche Ausgangstür aus der Halle). Am Deckengewölbe thront der Pantokrator, also der Weltenherrscher Christus. Aber der Blick der eintretenden Person fiel damals und fällt heute sofort auf den sogenannten doppelten „Hohenzollernzug“, der von beiden Seiten den ursprünglichen Eingang in die Kirche säumt und Personen der Hohenzollernfamilie beim Empfang des Abendmahls zeigt. Die einstige „Gedächtnißhalle“ hatte den Anspruch, das Leben Wilhelms I. zu sakralisieren und eine besondere Verbindung von evangelischem Glauben und der Dynastie der Hohenzollern zu inszenieren.

Einzig diese „Gedächtnißhalle“, der ehemalige Westturm, und die hier angebrachten Mosaiken überstanden die Zerstörung des Kriegs und mussten nicht aus Sicherheitsgründen abgetragen werden – mit sichtbaren Narben, in der Architektonik und den Bildern. Nach dem Krieg und dem integrierenden Neubau Eiermanns stand dieser Turm ungenutzt mitten im Zentrum des Kirchen-Ensembles. Vandalismus-Vorfälle ließen den Turm irgendwann mit Gittern verschließen. Erst am 7. Januar 1987 wurde die Eingangshalle im Turm wieder eröffnet. Als „Gedenkhalle“ fungiert sie seitdem als Ausstellungsort zur Geschichte der Kirche und ihrer Bedeutung als Mahnmal für Frieden und Versöhnung. Die Verleihung des Nagelkreuzes durch die internationale Versöhnungsgemeinschaft von Coventry betont die Arbeit zur Versöhnung. Und das ein Jahr später übergebene Ikonenkreuz der Russisch-orthodoxen Kirche ruft gerade in Zeiten, in denen Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, eindrücklich an den Auftrag zum Frieden auf.