Das Foto zeigt das Foyer von innen mit seinen großen Milchglasfenstern, auf denen sich das Raster der Betonwaben als Schatten abbildet. Max Cramer

Das Foyer-Haus | 1963

Das Foyer-Haus ist das vierte Gebäude des neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchen-Ensembles.

Das Ensemble der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche gehört zu den wenigen authentisch erhaltenen und kaum veränderten Gebäuden des Architekten und Möbeldesigners Egon Eiermann. Die vier Gebäude des Ensembles sind variationsreich aufeinander abgestimmt. Von der Gebäudefassade über das Mobiliar bis hin zu den Schrauben hat Egon Eiermann die Gestaltung bis ins Detail in der Hand gehabt. 
Gegenüber den Überresten des historisierenden alten Kirchenbaus – den einst zierende Dekors und prunkvolle Innenausstattungen kennzeichneten – definiert Eiermann seine Kirchenarchitektur als modernes Statement im Geiste des Wiederaufbaus und der Neubelebung der Stadt Berlins. Die nachkriegsmoderne Kirchenarchitektur ist eine radikale Reduktion auf das Wesentliche, übersichtlich, klar und nicht-figurativ: wiederkehrende geometrische Formen, der wiederholte Einsatz von Materialien, Motiven und das Spiel mit dem Licht sind die prägenden Stilmittel dieses „neuen“ Kirchenensembles. Neben den Stahlgerüstkonstruktionen, Betonwaben und den Betondickgläsern kommen vor allem kreisrunde Bodenplatten aus Keramik und Beton- sowie Holzvertäfelungen zum Einsatz.
So befremdlich das neuere Kirchenensemble zur Zeit seiner Entstehung gewirkt haben mag, Egon Eiermann spielt in der Architektur mit tradierten kulturellen Vorbilder wie zum Beispiel griechische Tempelanlagen oder italienische Kirchenensembles und webt zitathaft einzelne Motive ein. Die Kapelle wie das Foyer-Haus sind besonders von der traditionellen japanischen Architektur inspiriert: Der kontemplative Charakter des Foyers mit stark eingeschränktem Außenbezug, das Schattenspiel der Betonwaben auf den Milchglasfenstern, die parzellenartige Raumstruktur im Erdgeschoss mit den offenen Glasfronten und dem Rundlauf sowie das Untergeschoss mit dem oberen Fensterband markieren derartige Inspirationsquellen.

Die architektonischen Besonderheiten des Kirchenensembles kommen im Foyer besonders gut zu Geltung, das ohne feste Nutzungsbestimmung einen gewissenmaßen einen selbstreferenziellen Charakter bekam. Einst als Sakristei vorgesehen, ist das Gebäude über einen ebenerdigen und unterirdischen Gang direkt mit der Kirche verbunden, verlor aber den Anschluss, als man beschloss, die Sakristei im Untergeschoss der Kirche zu situieren. Zeitweise wurde das Foyer vom Missionarischen Dienst genutzt.

Seit ein paar Jahren wird es vom CCA Berlin | Center for Contemporary Arts für Ausstellungen, Performances und Talks genutzt. 

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